Eiswindtal und der Norden...
Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Genaugenommen ist es mehr als nur eine Geschichte, es ist eine recht aufregende Geschichte, man könnte sogar Abenteuer dazu sagen. Es geht in dieser Geschichte, hmm, ich meine in diesem Abenteuer, um eine zusammengewürfelte Gruppe von Männern, die auszogen, die Weite Welt zu entdecken und das Gute auf Faêrun, nun ja, mehr oder weniger jedenfalls, zu verteidigen. Ich lasse die Vorgeschichte dieser Recken bewusst außer Acht, denn dies würde mit Sicherheit den Rahmen meiner kleinen Erzählung sprengen.
Nun ja, alles fing an im Jahre der singenden Harfe, 1368, in der Stadt der Segel, Luskan, weit, weit im Norden. Der Winter hatte seinen Höhepunkt erreicht und für die vielen Karawanen, die aus Tiefwasser, dem Eiswindtal oder auch aus Mirabar in die Stadt zogen, war der Weg beschwerlich und gefährlicher als je zuvor. Die marodierenden garstigen Orkse und wilden Tiere konnten sich im Schutze der vielen Schneestürme leichter vor Patrouillen schützen und so war es nicht verwunderlich, dass viele Karawanen im Winter nicht ihren Bestimmungsort erreichten.
Viele abenteuerlustige Krieger oder solche, die sich für Krieger hielten, heuerten hier in Luskan bei reichen Händlern an, um sie an die Bestimmungsorte zu geleiten.
So trafen auch drei junge Männer an einem dunklen Tage im Cutlass, dem übelsten Krug der Stadt, ein und bestellten bei Arumn Gardpeck eine warme Mahlzeit und ein heißes Brühgetränk. Sie alle wurden aufmerksam auf ein an der Theke aushängendes Pergament, auf dem ein gewisser Händler Peddywinkle bekanntmachte, viel Geld für eine Eskorte seiner Karawane ins Eiswindtal zu zahlen. Die Herren waren der Halbling Toran Starkarm, ein geschickter Taschendieb, Schnitter Altsucher, ein elfischer Bogenschütze und Grór Hammerfaust, ein Grauzwerg aus den Tiefen des Unterreichs und Sonlinor von Moradin, dem Seelenschmied. Tja, unterschiedlicher konnte dieser Haufen von Grünschnäbeln wahrhaftig nicht sein.
Nun ja, und doch trafen alle Drei am nächsten Morgen am Treffpunkt mit Meister Peddywinkle, einem renommierten Händler aus Tiefwasser, zusammen. Jeder von Ihnen war unerschrocken, vielleicht auch völlig naiv, wer weiß das schon so genau, auf alle Fälle waren sie mutig und sie nahmen des Meisters Angebot, welches zudem recht lukrativ war, mit einem Handschlag an. Peddywinkle willigte ein, den Herren noch einige Ausrüstungsgegenstände zu bezahlen und man verabredete sich für den nächsten Morgen, an dem die Reise und das Abenteuer beginnen sollten.
Zwei schwere Planwagen, beladen mit Teppichen und Stoffen allerfeinster Qualität aus dem fernen Calimhafen und gezogen von jeweils zwei Brauereipferden, wurden geführt von Rafferty Tannerson und seinem jungen Sohn Dell, der sich von Anfang an sehr für die Magie der Glaubenskrieger begeisterte. Peddywinkle zog sich schon zu Anbeginn der Reise in seinen Planwagen zurück, in dem er sich einen netten Unterschlupf inmitten seiner Teppiche einrichtete. Mit was genau er sich beschäftigte oder ob er den gesamten Zeitraum über schlief, ist schwer zu sagen. Nun, jedenfalls interessierte er sich nur ab und an dafür, wie viele Meilen sie schon zurückgelegt hatten und wie lange sie noch nach Targos, der zweitgrößten Siedlung im Eiswindtal, benötigen würden.
Die Reise verlief relativ ereignislos, bis zum Abend des vierten Tages. Man hatte bereits die Ausläufer des Grats der Welt erreicht. Nach einem geeigneten Nachtlager suchend, stieß der Elf, der der Karawane mit seinen scharfen Augen als Scout vorauslief, auf den Schauplatz eines arglistigen Hinterhalts. Umgestürzte Wagen und mehrere Leichen lagen verstreut auf dem eisigen Boden. Auch wenn der Gruppe ein echter Fährtenleser fehlte, konnten die Recken deutlich erkennen, dass es hier einen heftigen Kampf gegeben haben musste. Außerdem waren alle Wagen geplündert und es war offensichtlich, dass die Toten brutal entweder mit scharfen Klingen oder spitzen Pfeilen ermordet wurden. Schnitter der Bogenschütze erkannte diese als Goblinpfeile. Später entdeckte er Wagenspuren, die nach Nordwesten führten und einige deutliche Hufabdrücke.
Gror Hammerfaust, Goblins verabscheuend und Toran, gewillt, ein paar Goldmünzen aufzutreiben, waren sofort dafür, die Fährte aufzunehmen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Schnitter willigte bald ein und so besprachen die Helden sich mit Rafferty, Peddywinkle und Dell. Rafferty und Dell ließen sich zähneknirschend überreden, für eine kurze Zeit alleine auf die Karawane aufzupassen.
So verfolgten die Gefährten die Spur, die sich alsbald in einer Art Canyon verlief. Man einigte sich darauf, zuerst das Gebiet auszukundschaften, bevor man blindlings in eine Horde Monster lief. So erspähte man nach kurzer Zeit das Lager der Räuber. Sieben ausgewachsene Goblins und außerdem ein großer Oger konnten ausgemacht werden, die um ein großes Lagerfeuer saßen und Fleisch am Spieß aßen. Schnell legte man sich einen kurzen Schlachtplan zurecht und griff die Monster an. Es entbrannte ein hitziger Kampf, allerdings erwiesen sich die Gefährten als äußerst fähige Krieger und töteten alle Feinde. Nichtsdestotrotz mussten Sie auch heftig einstecken, so war Toran schwer von der baumstammartigen Keule des Ogers verletzt worden. Allerdings hatte Gror einige Heilzauber im Gedächtnis und so konnte Schlimmes verhindert werden.
Ein intakter Wagen, der ebenfalls voll von feinster Wolle und anderen schönen Stoffen war, wurde mit ein paar der Pferde mitgenommen und als Beute beschlagnahmt. Man fand sogar noch ein paar Schriftrollen und einige Goldmünzen. So kehrten sie zurück zur eigenen Lagerstelle. Der erste Kampf der Gruppe war gewonnen.
Am nächsten morgen wurde die Reise fortgesetzt und die Gefährten hatten mit Blizzards, widrigen Bodenbedingungen und eisiger Kälte zu kämpfen. Glaubt mir, das Wetter in diesen Tagen war dergestalt gefährlich, dass sich sogar die Monster in ihren Unterschlüpfen verkrochen.
So kämpften sie sich weiter und erreichten am 15. Tage seit der Abreise in Luskan den Südzipfel des berüchtigten Eiswindtals, nachdem der Grat der Welt nun hinter Ihnen lag. Die Stimmung besserte sich rapide vor allem bei Zwerg Hammerfaust, der sich schon einen großen Humpen Met ausmalte. Auch die Anderen waren der beschwerlichen Reise überdrüssig und es gelüstete Ihnen nach einer warmen Mahlzeit und einem bequemen Bett in einer gemütlichen kleinen Spelunke. Tja, aber wie das Leben so spielt, machten die von den Strapazen erschöpften Recken alsbald erst einmal die Bekanntschaft mit drei hungrigen Yetis, die das Eiswindtal bewohnten.
Versteckt unter der Schneedecke und äußerst gut getarnt kamen die etwa 15-Fuß- großen Kreaturen wie aus dem Nichts. Alle Mitglieder der Gruppe waren völlig überrascht, mit Ausnahme von Gror Hammerfaust, der seinen gesegneten Hammer sogleich fliegen ließ. Die Yetis waren allerdings exzellente und furchtlose Gegner, die sich von den für sie winzigen Waffen nicht beeindrucken ließen. So entbrannte ein langer Kampf. Das scharfe Schwert Torans fügte einem Yeti tiefe Wunden zu, die Kriegspfeile Schnitters fanden oft ihr Ziel und auch Hammerfaust machte seinem Namen wahrhaftig alle Ehre. So gingen die Gefährten abermals als Sieger aus diesem Kampfe heraus, allerdings war der Elf von der Pranke eines Yetis so hart in die Seite getroffen worden, dass er kurzzeitig aufgrund der Schmerzen die Besinnung verlor. Peddywinkle zeigte sich jedoch sehr zufrieden und auch die Tannersons waren begeistert angesichts des Kampfgeschicks ihrer Begleiter.
Bereits am nächsten Morgen erlangte man Targos, den Bestimmungsort der gefährlichen Reise. Das Abenteuer war nun hier zu Ende, das Geld war redlich verdient. So dachten die Drei zumindest.
Nachdem sie die Beute aus dem Scharmützel mit den Goblins bei einem Händler gewinnbringend veräußern konnten, wurden sie alsbald zu Peddywinkle zitiert, der ihnen ihren Lohn auszahlen sollte. So tat er es auch. Ein hübsches Sümmchen war das, nicht wenig, möchte ich meinen. Allerdings teilte der freundliche Händler den Gefährten mit, dass er abermals die Hilfe von fähigen Recken benötige. Er offenbarte, dass der Handel mit Stoffen nicht der einzige Grund für ihn war, ins Eiswindtal zu reisen. Der eigentliche Grund, so Peddywinkle, war das Tagebuch des längst toten Erzmagiers Damien Morienus, welches laut Peddywinkle Formeln für die ultimative Heilsalbe enthielt und irgendwo im Gebiet Zehnstädte verschollen lag. Was die wahren Intentionen Meister Peddywinkles waren, wussten die Gefährten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie sollten sie auch?! Nun ja, der Meister erzählte weiter, dass Morienus vor vielen, vielen Jahren mitsamt seinem Turm in einem großen Erdrutsch versank und dabei den Tod fand. Alles was er den Recken als Anhaltspunkt geben konnte, war die ungefähre Stelle, an der einst der Turm des Magiers gestanden haben sollte. Er verwies die Drei allerdings weiter an Regis den Halbling, der viel über die Gegend wusste und vielleicht weiterhelfen konnte. Er versprach weiterhin eine ansehnliche Summe für das Tagebuch.
Die Helden nahmen tatsächlich das Angebot des Meisters an und nachdem sie frisch ausgeruht waren und ihre Ausrüstung aufgestockt hatten, zogen sie zu Regis, der Schnitzereien von Knochenkopfforellen in einem kleinen Laden am Hafen verkaufte. Den Gefährten wurde warm ums Herz, als sie all die feinen Schnitzarbeiten sahen, die Regis anbot. Kein Wunder, Regis hatte sich schließlich längst einen Namen auch über die Grenzen des Eiswindtals hinaus gemacht. So munkelte man, dass die Herrin Alustriel von Silbrigmond persönlich einige Schnitzereien in ihren Privatgemächern aufbewahrte. Der freundliche und lebenslustige kleine Mann, der sich vor allem mit Herrn Starkarm sehr gut verstand, hörte sich die Geschichte der Drei geduldig an, konnte Ihnen aber wenig mehr sagen, als sie ohnehin schon wussten.
So verwies Regis weiter an einen alten Barbaren vom Stamme der Elche, der in der Treibeissee, drei Tagesmärsche entfernt, Knochenkopfforellen und Eisbärenfelle für die Bewohner von Zehnstädte beschaffte. Sein Name war Kinnuki und er war ein guter Freund des Halblings.
Noch am selben Tage brachen Gror, Toran und Schnitter auf Richtung Treibeismeer. Sie kamen gut voran, kein Schneesturm überraschte sie diesmal. Am zweiten Tage, man hatte die östlichen Ausläufer des Meers beinahe erreicht, machte Toran hinter Ihnen eine Schneewolke aus, die sich stetig in ihre Richtung bewegte. Wenig später erkannten sie, dass dies eine große Gruppe von humanoiden Wesen sein musste, die sich mit mehreren Armen und Beinen sehr schnell bewegten. Schnitter waren diese Wesen gleich suspekt, sodass er dafür plädierte, zu fliehen. Gror war jedoch zuversichtlich, dass diese Kreaturen sicher nichts Böses im Schilde führten. So beschloss man, die Gruppe, man zählte nun bald 16 dieser insektenartigen Wesen, herankommen zu lassen. Dies sollte sich jedoch als fataler Fehler erweisen, denn die Sha' az, wie die Barbaren diese Monster hierzulande nannten, griffen ohne auf die Rufe der Drei einzugehen, sofort an. Bewaffnet mit Speeren und Kurzschwertern, waren sie fähige Krieger und abermals war man in einen heftigen Kampf verwickelt. Dieses Mal jedoch war die Übermacht einfach zu groß, obwohl jeder wie ein Berserker kämpfte und viele Sha'az ihr leben lassen mussten, fiel einer nach dem anderen zum Opfer der scharfen Klingen. Dunkelheit überkam die Helden wie ein schwarzer, böser Schatten…
-ENDE DER ERSTEN EPISODE-