Eiswindtal und der Norden...
…Doch hier sollte es noch nicht enden. Sie wachten wieder auf, wie aus einem bösen Traum. Anstatt in die Gesichter der Kreaturen zu blicken, die sie überwältigt hatten, sahen sie in das feine Antlitz eines Dunkelelfen!
Aus irgendeinem Grund, glaubt mir, auch ich war äußerst überrascht, griffen weder der Elf noch der Halbling oder der Zwerg den Drow an. Nun ja, sagen wir, diese Entscheidung hätte richtiger nicht sein können, vielleicht war es Intuition. Dieser Drow war, so stellte sich bald heraus, kein Geringerer als Drizzt Do' Urden. Drizzt schlug die Sha' az in die Flucht und holte die Recken mit ein paar Heiltränken wieder zurück ins Leben. Tja, sie hatten wirklich Glück, denn Drizzt war auch ein Freund Kinnukis und führte sie zu dem Barbaren.
Kinnuki war ein Hüne von einem Mann, der Inbegriff des Kriegers, sieben Fuß groß und breit wie ein Eisbär. Er war bekleidet mit Seelöwenhaut und Eisbärenfellen und hatte ein wettergegerbtes Gesicht, welches von vielen Narben gezeichnet war. Eine riesige Streitaxt hing über seinem enormen Rücken.
Bereitwillig erzählte er in einem schnell errichteten Iglu bei Feuer und Robbenfleisch die Geschichte von Damien Morienus, wie er sie erlebt hatte:
Damien kam als junger ehrgeiziger Zauberer mit seiner Frau Martha ins Eiswindtal, um hier, weit abgelegen von großen Städten, zu forschen und zu studieren. Er errichtete einen großen Turm am Ostufer des Maer Dualdon, dem zweitgrößten See des Tals, nahe des Ortes, an dem später Waldheim errichtet wurde und wo Regis heute als Sprecher diente. Lange Zeit lebten Damien und Martha glücklich in Freundschaft neben den Barbaren. Damien half den Eingeborenen der Gegend gerne, wann immer er konnte und im Gegenzug versorgten diese die Beiden mit frischem Fleisch und Fellen.
Je länger Damien allerdings forschte, desto mehr zog er sich zurück und wurde nur noch selten außerhalb seines Labors gesehen. Er wurde immer unzufriedener, denn er merkte, dass sein kurzes menschliches Leben bei weitem nicht ausreichte, um seine Studien zu Ende zu bringen. Immer jähzorniger wurde er gegenüber seiner Frau, die sich eines Tages gänzlich von ihm abwandte, nach dem sie ihn jahrelang angefleht hatte, zur Vernunft zu kommen.
Irgendwann fasste der Magier einen Entschluss, er gelangte zu der Überzeugung, dass er nur als Leichnam im ewigen Leben zufrieden sein konnte. So suchte er nach der Formel, die ihm das ewige Leben geben sollte. Er wurde indes allerdings von der dunklen Magie, derer er sich bemächtigte, derart vom Bösen zerfressen, dass er anfing seine Frau und die Barbaren zu hassen. Martha hatte sich zudem in einen jungen Barbarenprinzen namens Kinnuki verliebt. Als der Magier dies entdeckte, tobte er vor Wut und beschwor aus dem tiefsten Abgrund der Hölle mehrere Tanar' Ri. Sie hetzte er gegen den Elchstamm und seine Frau, die sich im Tal versteckt hielten. Die Tanar`Ri, darunter ein mächtiger Balor, entzogen sich jedoch bald der Kontrolle des Erzmagiers, denn sie öffneten mehr und mehr Tore für ihre Brüder und holten sie auf die Materielle Ebene. Sie töteten den gesamten Elchstamm und viele Barbaren anderer Stämme.
Ein Schamane, der die Bedrohung früh erkannte und von Tempus, dem Herrn der Schlachten gesegnet war, stellte sich der Macht entgegen. Er war in der Lage unter großer Anstrengung eine magische Explosion positiver Energie loszulösen und so alle Dämonen mit einem Schlag in den Abgrund zu verbannen. Dabei ließ er sein Leben und aufgrund der unglaublichen Hitzewelle begann ein großes Gebiet des Tals zu schmelzen. In dieser Eisschmelze versank der Turm des Erzmagiers im Boden und der See Maer Dualdon entstand. Damiens Labore wurden zerstört und die vielen magischen Mixturen, die kurz vor der Vollendung standen, explodierten. Das die Dämpfe und die böse Macht, die Damien bereits in seine Experimente gesteckt hatte, alle in diesem Moment im Turm befindlichen Menschen zu Untoten machten, erzählte Kinnuki den Gefährten nicht, er wusste es nicht einmal. Auf alle Fälle starb Martha in den Armen Kinnukis, nachdem ein Höllenscheusal sie kurz vor seiner Zerstörung tödlich verletzt hatte. Nichts blieb von dem Turm stehen und auch die beiliegenden Wohnhäuser wurden weggespült. Nur ein Baum blieb stehen, der bei der Schmelze so krumm wurde, dass seine Krone auf die Stelle im Boden wies, wo der Turm versunken war.
Mit einem Seufzer beendete der alte Barbar seine Geschichte. Die Zuhörer konnten ihm deutlich anmerken, dass er noch immer des Todes Marthas wegen trauerte.
Am nächsten Morgen teilte er den Helden mit, wo sich der Turm damals genau befand und nach einem kleinen Mahl, dessen Hauptbestandteil die Knochenkopfforelle war, verabschiedete er sich von Drizzt und den drei Abenteurern.
Denen blieb nichts anderes übrig, als den neuen Erkenntnissen nachzugehen und so gingen sie bald in Richtung Waldheim. Auch Drizzt, der noch ein Stück des Weges mitkam, verließ sie bald, denn er machte sich auf den Weg nach Bryn Shander, denn er wollte einem Zwergenfreund nachreisen, der wohl das Eiswindtal verlassen hatte. So waren die Drei wieder auf sich allein gestellt.
Nach einem Tag und einem halben kamen sie in den Wald, in dessen Mitte der Turm einst gestanden haben sollte. Später, nachdem sie innerhalb des Waldes ein Weilchen marschiert waren, trafen sie auf eine Art Ting- Platz, einen Versammlungsort, um den große Steine in einem Kreis aufgereiht standen. Auch ein krummer Baum wies auf die Mitte des Zirkels. Der neugierige Toran fing sofort an, die Gegend zu erkunden.
Aber kaum hatte er den Zirkel betreten, da geschah etwas Merkwürdiges. Um sie herum standen plötzlich mehrere vermummte Gestalten in dunkelgrünen Roben und zwei riesige Eisbären, die bedrohlich näher kamen und teilweise Krummsäbel zogen oder anfingen, Zauber zu wirken. Obwohl die Freunde im Allgemeinen Druiden als nicht feindselig glaubten, mussten sie nun schnell reagieren. Der Kampf wurde kein Leichter, denn die Eisbären kämpften, als wäre der Tod persönlich hinter ihnen her und die Druiden wichen ebenso nicht zurück, auch nicht, als sie mehrere Treffer einstecken mussten. Auf und ab ging der Kampf und als Schnitter einen heftigen Prankenhieb einstecken musste und kurzzeitig zu Boden ging, schien er schon fast verloren. Doch er stand wieder auf und letztendlich besiegte man die Druiden.
Eine Frage stellte sich den Freunden allerdings, was hatte es mit den Druiden auf sich und warum griffen sie ohne Gnade und Rücksicht auf Verluste die Freunde an?! Grübelnd und teils schwer verletzt zogen sie sich zurück und beschlossen, erst einmal zurück nach Targos zu reisen, um eventuell etwas über den Zirkel und die Druiden herauszufinden…
Doch in Targos konnte man ihnen nicht weiterhelfen, man hörte nur Dinge, die sie sowieso schon wussten. Als sie einen Tag vergeblich Nachforschungen angestellt hatten, beschlossen sie, frisch gestärkt und neuen Mutes am nächsten Tage wieder zum Zirkel zu marschieren. Nun denn, so taten sie es dann auch.
Gegen Sonnenuntergang erreichten sie den Waldrand und schritten hinein. Sie gingen und gingen.
Der Elf hörte aber sehr bald einige Stimmen und die Drei verließen schnell den Pfad und versteckten sich. Als sie einige Augenblicke gewartet hatten und in Lauerstellung gegangen waren, entdeckte man, dass die Geräusche von einer großen Gruppe Druiden, es mussten an die vier Dutzend sein, herrührten, die mit Fackeln langsam in die Richtung des Zirkels marschierten. Die Freunde beschlossen, mit den vermummten Gestalten zu sprechen und gaben ihr Versteck auf, um wieder auf den Weg zu treten.
Die Druiden zeigten keine feindliche Reaktion, hhmm, genaugenommen zeigten sie gar keine Reaktion. Gror sprach den Anführer der Prozession an…
Tja der Fackelmarsch kam auf ein kurzes Handzeichen des Führers zu einem abrupten Halt, und. "Was tut ihr hier und wer seid ihr, dunkle Gestalt?" fragte Gror. –"Was wir hier tun, ist allein unserer Sache und wer wir sind, geht keinen Zwerg oder sonst wen außer den großen Silvanus etwas an!" sprach der verhüllte Mann. "Lasst uns nun passieren oder wir sind gezwungen, Gewalt anzuwenden".
Die Freunde versuchten noch, einige Informationen aus den wortkargen Gesellen herauszubekommen, sie hatten aber wenig Glück und als die ersten Gestalten ihre Waffen zogen, machten sie doch den Weg frei. Dies war in der Tat ein kluger Entschluss, die Übermacht wäre wohl zu groß gewesen. Allerdings versuchten die Drei in einigem Abstand den Dunklen Druiden zu folgen. Dies war auf dem matschigen Pfade auch kein großes Problem und so folgten sie einige Zeit den offensichtlichen Spuren. Verdutzt schaute man jedoch drein, als der Weg vor ihnen einfach im Wald endete und die Spuren direkt vor Ende des Pfades einfach nicht mehr da waren. Man suchte und suchte, doch vergeblich. Sie hatten die Fährte verloren.
So rasteten sie erst einmal, da es schon spät in der Nacht war und man außerdem kaum etwas auf dem Boden ausmachen konnte. Am nächsten morgen stellte sich ihnen allerdings wieder das gleiche Problem. Der Wald schien den Pfad förmlich zu verschlucken. Spuren waren keine zu entdecken. Der Elf erkannte jedoch, dass die Bäume, die dort standen, wo eigentlich der Weg hätte sein müssen, sehr, sehr jung waren. So kamen die Gefährten zu der Erkenntnis, dass die Druiden auf magischem Wege den Pfad und ihre Spuren versteckt haben mussten. Nun, und so orientierten sie sich an den jungen Bäumen und stießen alsbald wieder auf den ursprünglichen Pfad, dem sie bis zur Lichtung und dem Druidenzirkel folgten.
Niemand war zu sehen. Kein Druide, kein Eisbär. So gingen sie vorsichtig in die Mitte des Zirkels, wo der gebogene Baum auf die Erde wies. Toran hatte die Idee, an dieser Stelle nach dem Turm des Erzmagiers zu graben und sie machten sich ans Werk. Als sie anfingen, die Erde zu bearbeiten, zuckten plötzlich kleine, magische Geschosse aus dem Wald und trafen Schnitter in die Brust. Es war kein Gegner zu sehen und es wiederholte sich noch mehrere Male. Dann zeigte sich einer der Feinde, ein Flinkling, der aus dem Wald schoss und die Freunde zum Narren hielt. Das Wesen war zu schnell und zu klein, als dass sie es hätten treffen können und so zog man sich zurück in den Wald…
Eine Weile gingen die Flinklinge den Helden noch auf die Nerven, dann ließen sie jedoch von Ihnen ab und waren plötzlich verschwunden. So wurde nach einigen Überlegungen beschlossen, weiter zu graben, was man dann auch tat. Man hackte und kratzte, schaufelte und grub. Doch irgendwann wurden sie für die Mühen belohnt und sie stießen auf etwas Metallenes und sehr Hartes. Dieses Etwas wurde sofort freigelegt und es stellte sich heraus, dass es sich um eine Falltür handelte, die von Mauerwerk umgeben war. Unerschrocken wie die Recken waren, brachen sie die Tür auf. Sie fiel nach innen, also nach unten auf und gab den Blick auf die Dunkelheit preis.
Man überlegte, wie man weiter vorgehen sollte, aber konnte sich nicht einigen, ob es klug wäre, in die Dunkelheit zu gehen oder nicht. So nahm sich Gror, der Dunkelheit von Geburt an gewohnt war, ein Herz und sprang hinein. Er landete in einem Teppich aus Spinnennetzen, die mehr als einhundert Jahre alt waren.
Er hatte sich bei dem Sprung nicht verletzt und wollte seine Augen gerade auf die Infravision umstellen, als Schnitter eine Fackel hinter ihm her warf und rief: "Hier, damit du sehen kannst." Nun ja, sicher meinte der Elf es gut mit Gror, jedoch verbrannten die Spinnennetze in einer einzigen großen Stichflamme, die Gror heftige Brandwunden zufügte. Wie auch immer, jedenfalls war der Weg für den Halbling und Schnitter nun geebnet und sie ließen sich an einem Seil in den Raum herunter. Nun, da sie alle sicher unten waren, konnte man beginnen, den Raum zu inspizieren. Es führte in einer Ecke eine Wendeltreppe weiter nach unten, in der Mitte des Raumes stand ein großes schwarzes Kohlebecken. Ansonsten fiel den Gefährten noch auf, dass es faul und modrig roch, nach Verwesung und Tod. Man entschloss sich zunächst, das Becken in der Mitte des Raumes anzusehen, auf dem bei genauerem Hinsehen viele uralte arkane Runen niedergeschrieben waren.
Plötzlich, als sie sich dem Becken bis auf wenige Zentimeter genähert hatten, gab es eine feurige Explosion aus der Mitte des Beckens. Ein großer mächtiger Dämon trat aus dem aufsteigenden Rauch und zischte: "Niemand darf den Meister stören!" So zog er einen großen feurigen Krummsäbel und eine Flammenpeitsche…
-ENDE DER ZWEITEN EPISODE-