Mahtar Larcaquinga Elerína
An einem Morgen nach einer blutigen, vernichtenden Schlacht der Waldelfen des alten Elerína-Waldes gegen marodisierende Ork- und Warg-Horden aus den nahe gelegenen Kaltschmerz-Bergen, die von Drows aus der unweit gelegenen Faralas-Zone angeführt wurden, erblickte ein ungewöhnlich großer Elfenjunge das an diesem Tage kalte Licht der Welt mit stahlblauen Augen. Seine Mutter, die schöne Beleria Sonnenquell, war in der Schlacht durch einen vergifteten Drow-Pfeil tödlich verwundet worden, sie starb an den zusätzlichen Anstrengungen der Geburt, kaum dass ihr Kind aus ihrem vergifteten Leib geholt wurde. Sie war die Frau des Prinzen der Waldelfen Elerínas, Lakanazur des Gerechten, der in vorderster Front der Verteidigungslinien noch lange nach dem Fall seines Vaters standhielt, um, in einem Berg Gefallener, Freunde und weit mehr Feinde, als letzter der Elerína-Dynastie einer Übermacht Drows zum Opfer zu werden. Sein Tod war nicht umsonst, er konnte mit seiner getreuen Leibgarde die heranstürmende Übermacht der Feindesheere lange genug aufhalten, um den nicht-kampfesfähigen des Stammes die Flucht zu ermöglichen. Nur deswegen sollte es den dunklen Mächten nicht gelingen, alle der Waldelfen Elerínas in dieser einen düsteren Nacht zu vernichten.
Beleria Sonnenquell führte die versprengten Flüchtlinge ihres Stammes; darunter neben Frauen wie ihr, die mit Nachwuchs schwanger gingen, nur die ganz wenigen, die entweder zu wenige oder schon zu viele Winter erlebt hatten, um sich dem Feind und ihrem Schicksal zu stellen. Auf verschlungenen Pfaden, die sie als Waldelfen, die ihr Territorium seit langem kennen, kaum hörbar verfolgten, gelang es ihnen bald, dem Kampfeslärm und Siegesgeschrei der Orks und Warge zu entkommen. Einzig einige der Drows hatten ihre Flucht bemerkt, und folgten ihnen unbemerkt in rasch aufholendem Abstand. Als Beleria ihre kleine Schar auf eine Lichtung führte, die viele Meilen vom Schauspiel der Schlacht entfernt in einem dichten Teil des Waldes gelegen war, um den Alten eine Pause zum ausruhen zu ermöglichen, überfielen die Drows die letzten Elfen Elerínas. Schnell waren die meisten der Elfen, müde von ihrem Marsch und ihrem Alter, von den Drows erschlagen. Allein Beleria und ihre Zofe waren mit ihren magischen Kenntnissen in der Lage, den Drows die Stirn zu bieten. In einem tobenden Kampf ertönender Angriffzauber und Gegensprüche fiel ein Drow nach dem anderen. Dann auch die Zofe, die sich bis dahin um Verteidungszauber für sie und Beleria gekümmert hatte. In diesem Moment ihrer Verteidigung beraubt, traf sie ein vergifteter Pfeil von einem der beiden letzten noch stehenden Drows. Sie streckte ihn mit einem mächtigen Blitzstrahl nieder, der andere ergriff schwer verletzt die Flucht. Beleria sackte auf die Knie, zu geschwächt um die Verfolgung aufzunehmen. Sie hielt sich ihren Bauch, der ihren ungeborenen Sohn barg, und fiel auf die Seite. Das Gift begann sie zu betäuben.
In der einsetzenden morgendlichen Dämmerung streiften einige Priester des seltenen Clans Shevarashs durch die Randbezirke des Elerína-Waldes. Sie hatten von einer bevorstehenden Schlacht ihrer Erzfeinde, der Drows, gehört, und eilten zur Unterstützung der Elfen Elerínas. Sie kamen zu spät. In der einst stolzen Stadt Elerínas war alles zerstört, die siegreichen Truppen des Dunkels hatten alles in Flammen gesteckt. Die Leichen des einst stolzen Volkes Elerínas waren grausam verstümmelt, die Köpfe Lakanazurs und seines Vaters mit herausgerissenen Augen auf Pfähle gesteckt. Aber sie fanden auf der kleinen Lichtung, inmitten Toter sowohl ihres Stammes als auch der Drow, die wie tot daliegende Beleria. Schnell merkten sie, dass weder Beleria noch ihre Leibesfrucht schon tot waren, und trugen sie in eine nahe gelegene Höhle. Dort wuschen sie Beleria und gaben ihr eine die Wirkung des tödlichen Drow-Gifts verzögernde Arznei, deren Mixtur allein sie als Drow-Erzfeinde herzustellen wussten.
Kurze Zeit später setzten die Wehen ein, und ein kommender Drow-Assasinator kam zur Welt. Die zu weit fortgeschrittene Wirkung des Gifts und die Anstrengungen der Geburt forderten kurz darauf das Leben Belerias der Schönen von Elerína. Der neugeborene Elf war der letzte Überlebende seines Stammes.
So begann das Leben Mahtar Larcaquinga Elerínas mit der Zerstörung seines Stammes. Die Prister Shevarashs nahmen sich 150 Jahre lang seiner an. Er wuchs mit der Erinnerung an die Vernichtung seiner Vorfahren durch die Drows auf; je mehr er von der Welt zu verstehen begann, um so größer wurde sein Hass auf die Drows. Er begann auch die anderen bösartigen Wesen der Welt zu hassen, später allen voran die großen Spinnen. Ohne es recht zu merken, wurde er von den Priestern zu einem Dhaeraowathila, einem speziellen Priester Shavarashs, ausgebildet. Er erwies sich als gelehriger Schüler. Viele der Krieger und Priester, die die Weihstätte Shavarashs, an der er heranwuchs, besuchten, verbrachten manche Stunde mit ihm und erzählten ihm Dinge aus den fernen Landen, oder übten ihn in verschiedener Kampfkunst. Elerína, der Sterngekrönte, wie die Priester ihn in ehrendem Andenken an seine Herkunft getauft hatten, bewies bald eine besondere Geschicklichkeit, die das Maß der ohnehin geschmeidigen Elfenrasse bei weitem übertraf. Besonders Manöver im Kampf mit zwei Langschwertern meisterte er bald so gut, dass er in jeder Hand ein Langschwert führen konnte, ohne mit einer Hand an Behändigkeit oder Schlagkraft einzubüßen. Es stellte sich schnell heraus, dass die Langschwerter seine bevorzugten Nahkampfwaffen werden würden, die er mit fortschreitender Übung alsbald meisterlich zu führen verstand. Seine Geschicklichkeit half ihm auch im Umgang mit Pfeil und Bogen, er erwies sich schnell als sehr gewandter und flinker Schütze mit einem außergewöhnlich genauem Auge. Auch das Herstellen von Pfeil und Bogen ging ihm, nach geflissentlicher Übung, bald schnell von der Hand. Seine scharfe Intelligenz erlaubte es ihm, seinen Umgang nicht wie gewöhnlich nur mit einer Waffengruppe auf ein Höchstmaß zu schulen.
Zu späterer Zeit, kurz vor seinem Aufbruch zur langen Wanderung, wie die Priester Shavarashs die Weihe der Dhaeraowathila nennen, gab es kaum noch einen Besucher, der ihm mit Pfeil und Bogen oder im Umgang mit Langschwertern überlegen war. Elerína war zudem selbst für einen Waldelfen überdurchschnittlich muskulös. Seine Schlagkraft war bald weit bekannt, und nur wenige wollten sich in übenden Zweikämpfen noch gegen ihn stellen. Weit ungewöhnlicher als seine Stärke und seine Geschicklichkeit war seine körperliche Ausdauer und Konstitution. Ihm genügten bereits 4 Stunden Schlaf, um vollkommen ausgeruht aufstehen zu können. In den Zweikämpfen konnte er zudem ungewöhnlich viele Hiebe einstecken, ehe er zu Boden ging. Einmal hielt sich längere Zeit ein erfahrener Kämpfer in der Nähe der Weihstätte auf. Diesem Kämpfer gefiel es bald sehr, mit dem jungen kräftigen und geschickten Elfen zu trainieren. Er beschloss ihn in die Kunst eines unter Dieben verbreiteten Angriffs einzuführen, des backstabbings. Auch hier erwies sich Elerína als aufmerksamer Schüler, der diesen Angriff bald ebenso gut wie sein Lehrer auszuführen verstand. Sein zunehmender Ruhm mit den Langschwertern brachte ihm bald den Beinamen Schwertkämpfer, Mahtar, ein. Auch die Künste im Umgang mit dem Bogen blieben nicht unbeobachtet, und ein weiterer Name, Larcaquinga (Schnellbogen), wurde ihm zugesprochen.
Elerína wollte sich schon früh während seiner langen Ausbildung unter den Priestern nicht darauf beschränken, nur mit gegenständlichen Waffen zu kämpfen. Er war fasziniert von der magischen Macht, die seine Zieheltern besaßen. Die Priester führten ihn deswegen bereits in jungen Jahren tief in das Heiligtum ihrer Weihstätte, und trachteten danach Shevarash diesen jungen Elfen vorzustellen, um zu sehen, ob er vor den Augen des schwarzen Bogenschützen bestehen würde. Und der Nachtjäger selbst erkannte im Schicksal Elerínas viel wieder, was ihm selbst wiederfahren war. Er erblickte in ihm magische Begabung und vielleicht ein keimendes großes Schicksal. Er erteilte den Priestern den Auftrag, aus Elerína einen mächtigen Dhaeraowathila zu machen, und ihn in jedwede Kunst, die er erlernen wollte und konnte, einzuweisen. So kam es, dass Elerína nach und nach Zugang zu mystischen Sphären erhielt. Er bewies eine besondere Willensstärke und Intuition, wozu im Laufe der Jahre eine beachtliche Weisheit hinzukam. Er erlernte vollen Zugang zu den Zyklen des Kampfes (Combat), des Heilens (Healing), des Schutzes (Protection) und des Herbeirufens (Summoning). Auch wurde ihm ein Zugang zur Schule der Beschwörung (Charm) eröffnet, doch kostete ihn das Wirken eines Zaubers dieser Schule mehr magische Energie, als er für die anderen aufwenden musste. Lange harte Studienzeit brauchte er, um sich in die selbst den Priestern Shevarashs verschlossene Sphäre der Veränderungszauber (Alternation) einzuarbeiten. Er studierte viele Schriften und Riten, nachdem er von den Ritualen zum Erlernen der Shevarash-Zauber in sein Heim zurückkehrte. Unglücklicherweise kostete ihn das Erlernen der Veränderungszauber viel Zeit und Energie, so dass er keinen weiteren Zugang zu den Sphären Shevarashs nutzen konnte. Dafür gewährte ihm Shevarash nach einem tiefen Gebet an den Nachtjäger selbst einige besondere Zauber, die er bis zu 2 mal am Tag wirken konnte, ohne seine mystische Energie für die Zauber der Schulen und Sphären zu aufzuwenden. Besonderes Talent bewies Elerína im Umgang mit Heilzaubern. Er konnte bald täglich einen Heilzauber mehr als die jungen Priester, die mit ihm lernten, wirken. Zudem konnte er seinen Händen einmal täglich eine heilende Wirkung entlocken, legte er sie jemandem auf.
Eines Tages brachte ein Besucher der Weihstätte Neuigkeiten über große Spinnen, die sich in erreichbarer Nähe ein Nest einzurichten begannen. Elerína begleitete den Mann auf seiner Rückkehr, und ließ sich die Spinnen zeigen. Er erkundete die dunklen Gänge, was ihm dank seiner elfischen Infravision trotz schwärzester Dunkelheit möglich war. Unerwarteterweise hatten die Spinnen seine Ankunft bemerkt, und lauerten ihn in den Gängen auf. Die Anführerin ließ sich auf ihn fallen, und stach ihn mit ihrem vor Gift triefenden Stachel. Die Wirkung setzte umgehend ein, Elerína verlor trotz Infravision das Augenlicht. Er konnte nichts mehr sehen und musste in vollkommener Dunkelheit kämpfen. Durch die Dunkelheit behindert konnte er seine Kampfkunst nicht wie gewohnt einsetzen, dennoch gelang es ihm, einige seiner Peiniger mit seinen Langschwertern Gliedmaßen abzuhacken und Bäuche aufzuschlitzen. Schließlich wurde er nach hartem Kampf, in dem mindestens drei der Spinnen, darunter die Anführerin, ihr Leben ließen, gefangengenommen. Sie verschnürten ihn und hängten ihn kopfüber in eine ihrer Höhlen. Erst zwei Tage später konnten die Priester ihn finden und befreien, nachdem sie den Schwarm, geführt von dem Hilfe holenden Besucher, vernichtet hatten. Sie erwarteten ihn tot vorzufinden, das Gift der Spinnen hatte bereits auch unter ihnen Opfer gefordert. Elerína hatte jedoch das Gift in seinem Körper neutralisieren können. Später stellte sich heraus, dass er durch das Gift der Anführerin und einen Segen Shevarashs gegen Spinnengift immun war. Es bedurfte gerade der tödlichen Dosis des Gifts der Anführerin, um seine Immunität herzustellen.
Wieder zurückgekehrt nahm Elerína sich vor, nie wieder einen Kampf im Dunkeln zu bestreiten, ohne sich angemessen wehren zu können. Deswegen trainierte er blind zu kämpfen. Von dieser Zeit an wurde sein vormals heiteres Gemüt verbissener. Er verlor seine Unbeschwertheit und nahm den Leuten schnell etwas übel, was meist gar nicht so gemeint war. Dennoch gab es auch Momente, in denen er wie früher unbeschwert sein konnte. Aber seine Unzufriedenheit mit der Welt, wie sie war, wuchs. Er wollte seinen Weg gehen, um im Sinne Shevarashs die Oberfläche von den bösen Mächten freizuhalten. Der Tag des Aufbruchs zur langen Wanderung rückte näher. Elerína bereitete sich darauf vor, indem er sich mit den Priestern über andere Religionen unterhielt und viel von ihnen lernen konnte. Er verfeinerte seine Lese- und Schreibkenntnisse. Er studierte Schriften über die lokale Geschichte der Drows und lernte ihre Sprachen (low drow, undercommon, drow silent speech). Diese Studien machten ihn so sehr mit den Drows vertraut, dass viele sagten, er würde im Zusammentreffen mit Drows sehr genau ihre schwachen Stellen erkennen und davon im Kampf profitieren. Andererseits würde ihn jeder Drow als Erzfeind erkennen und entsprechend reagieren. Seine ohnehin ungewöhnliche Resistenz gegen mind-related Zauber im allgemeinen und besonders auf solche des Schlafs oder der Beschwörung schien sich bei Drow-Zaubern zur Immunität zu steigern.
Im Morgengrauen eines stark bewölkten Sommertages zog Mahtar Larcaquinga Elerína, letzter Waldelf Elerínas, im Alter von 150 Jahren aus, um die Welt der Elfen von der Plage der Drows zu befreien. Er ging in Begleitung eines erfahrenen Waldläufers namens Brinhold Breitschild, der vor kurzem die Weihstätte besuchte. Von ihm lernte er auf ihren Reisen viel über das Spurenlesen, er wurde ein fester Freund Elerías.
Vier Jahre später sollten sich ihre Wege trennen, Brinhold zog es in andere Gefilde. Elerías war auf sich allein gestellt und bereit, sein für einen Elfen junges Leben dem Guten zu widmen, aber nach seinen Regeln.